Montag, 29. April 2013

Blind Alley - Im Schatten lauert der Tod



 
Blind Alley – Im Schatten lauert der Tod (OT: Callejón, Spanien 2011, Regie: Antonio Trashorras)

Handlung: Die Kubanerin Rosa ist vor drei Jahren nach Spanien ausgewandert, wo sie als Zimmermädchen arbeitet. Doch ihr Traum von einer Karriere im Showbusiness könnte am nächsten Tag wahr werden, sie braucht nur noch schnell ein paar saubere Klamotten. Also geht sie nach der Arbeit in einen Waschsalon am Ende einer dunklen Sackgasse (engl.: blind alley). Dort trifft sie einen sympathischen Mann, der sich jedoch als irrer Psychopath entpuppt. Es gelingt ihr gerade noch, sich vor ihm in Sicherheit zu bringen, sie verbarrikadiert die Tür des Waschsalons von innen. Wird es dem Killer gelingen, zu ihr reinzukommen? Es wird eine lange Nacht...

Kritik: Wer sich die Spannung erhalten will, sollte auf keinen Fall den Original-Trailer zum Film anschauen. Denn dann sieht man schon, welche Wendung der Film mit fortschreitender Handlung nimmt. Und das schmälert das Sehvergnügen natürlich erheblich. Und wer sich die Spannung erhalten will, sollte auch jetzt nicht weiterlesen...
Dieser ohne Abspann circa 70 Minuten kurze Film ist sicher nicht der „beste spanische Film des Jahrhunderts“, wie auf dem Cover zu lesen ist. Aber er hat seine starken Momente und unterhält durchgängig. Die überraschende Wendung, die der Film am Ende nimmt, hat mich ein wenig an den Film „From Dusk Till Dawn“ erinnert. Man denkt, man hätte es mit einem Thriller zu tun, aber befindet sich auf einmal in einem Vampirfilm. Gleichzeitig hat man aber auch das Gefühl, dass hier noch mehr möglich gewesen wäre. Alles dreht sich in dem Film um Rosa (Ana de Armas), die auch in fast jeder Einstellung des Films zu sehen ist. Das schadet dem Film nicht. Etwas gewollt wirkt der mehrmalige Einsatz der Splitscreen-Technik, die wohl für Spannung sorgen soll, einen aber eher wieder aus dem Geschehen herausreißt. Zumindest ging mir das so. Der Einsatz der Überblendungen und verschwommenen Zeitlupenaufnahmen, die auf die innere Verfassung der Hauptfigur verweisen, passt hingegen zur Ästhetik des Films. Horrorfilm-Fans sollten ihn sich nicht entgehen lassen und sich schon gar nicht vom Nachnamen des Regisseurs abschrecken lassen. Der, Antonio Trashorras, hat übrigens zusammen mit Guillermo del Toro das Drehbuch von „The Devil's Backbone“ geschrieben.

Bilder, die im Gedächtnis bleiben: der im Sonnenlicht sterbende Vampir, der im wahrsten Sinne des Wortes aus den Latschen kippt, bevor es ihn endgültig dahinrafft (vielleicht sollte man an dieser Stelle seine Spaghetti schon gegessen haben) // Rosa steht allein und verängstigt im hell beleuchteten Waschsalon, draußen herrscht Dunkelheit // die tanzende Ana de Armas

Bewertung: (7/10)

Sonntag, 28. April 2013

Aggression Scale - Der Killer in dir


 

Aggression Scale – Der Killer in dir (OT: The Aggression Scale, USA 2012, Regie: Steven C. Miller)

Handlung: Eine Familie zieht in ein abgelegenes Haus auf dem Land. Der Familienvater hat einem Gangsterboss eine halbe Million Dollar gestohlen, und er hat die Hoffnung, dass er dort nicht gefunden werden kann. Seine Frau und die Kinder Owen (Ryan Hartwig) und Lauren wissen davon nichts. Doch die skrupellosen Killer des Gangsterbosses (der auf Kaution frei ist und all sein Geld „einsammeln“ will, um sich aus dem Staub zu machen) spüren die Familie auf und töten die Eltern. Womit die Killer jedoch nicht gerechnet haben, ist der Sohn, der wegen seiner krankhaften Aggressionen in Behandlung war (sein Vater hat ihn aus dem Krankenhaus geholt) und der Medikamente nehmen muss, um seine Gewaltausbrüche überhaupt in den Griff zu bekommen. Er spricht kein Wort, aber besitzt die bestechende Logik eines Elitesoldaten. Mit zahlreichen fiesen Fallen und Finten gelingt es ihm, einen Killer nach dem anderen zu töten und seine Halbschwester zu beschützen. Am Ende machen sich die beiden auf, um sich an dem Gangsterboss persönlich zu rächen...

Kritik: „Kevin allein zu Haus“ für Erwachsene kommt einem bei diesem Film sofort in den Sinn, wenn auch der Schauplatz des Hauses sehr bald verlassen wird. Die Handlung ist schnell erzählt und dient eigentlich nur als Vorwand, um das Duell Owen vs. Killertruppe in Szene zu setzen. Das ist aber ganz gut gelungen. Einige Überraschungen und blutige Spitzen sowie die durchweg guten Schauspielerleistungen zeichnen den Film aus. Vor allem Ryan Hartwig (bekannt als blutgieriger Spross einer Vampirfamilie in „The Thompsons“) verkörpert den „Killer-Kevin“ überzeugend, und auch Fabianne Therese („John dies at the End“) als seine Halbschwester weiß schauspielerisch (und optisch) zu gefallen.

Bilder, die im Gedächtnis bleiben: Owens selbstzufriedene Visage, als er dem Anführer der Killertruppe endgültig den Garaus mach // Glasscherben in den Handinnenflächen // Killer mit Polaroid-Kamera

Bewertung: (6/10)

Freitag, 26. April 2013

Die Nacht des Jägers


 

Die Nacht des Jägers (OT: The Night of the Hunter, USA 1955, SW, Regie: Charles Laughton)

Handlung:
Depressionszeit in West Virginia: Der psychopathische Wanderprediger Harry Powell reist durch die Lande und tötet Frauen. Er ist jetzt hinter 10000 Dollar her, die er im Haus der Familie des hingerichteten Diebes Ben Harper vermutet, mit dem er im Gefängnis in derselben Zelle saß. Harper war es nach einem Bankraub gelungen, die Beute in der Puppe seiner Tochter Pearl zu verstecken. Er schwört sie und ihren größeren Bruder John auf Stillschweigen ein. Selbst die Mutter weiß nichts von dem versteckten Geld. Harry Powell kommt in den Ort und gewinnt das Vertrauen der Dorfbewohner und der Witwe des Diebes. Schließlich heiratet er sie. Aber er ist nur an dem Geld interessiert. Selbst in der Hochzeitsnacht macht er seiner Frau klar, dass er keinerlei sexuelle Interessen an ihr hat. Als seine Frau dahinterkommt, dass Powell nur an Geld interessiert ist, muss sie sterben. Powell versenkt sie an ein Auto gebunden im Fluss. Nun zwingt er die Kinder zu sagen, wo das Geld ist. Doch im letzten Moment gelingt den Kindern die Flucht in einem kleinen Boot, mit dem sie den Ohio hinuntertreiben. Sie finden Unterschlupf bei Rachel Cooper, einer alleinstehenden alten Frau, die Waisenkinder aufnimmt. Doch Powell findet die Kinder, und als er versucht, ins Haus einzubrechen, schießt Rachel ihn an und ruft die Polizei. Powell wird festgenommen und die Waisenkinder können mit der alten Frau Weihnachten feiern...

Kritik: Der Film entpuppt sich auf den zweiten Blick als ein Genre-Mix aus Thriller, Gothic Horror und Märchenfilm. Grandios ist das Spiel von Robert Mitchum als Wanderprediger. Von einer Sekunde zur anderen wechselt sein Mimenspiel vom friedliebenden Prediger zum eiskalten Psychopathen. Auf den Fingern seiner linken Hand sind die Buchstaben HATE tätowiert, auf den Fingern seiner rechten die Buchstaben LOVE. Ein Motiv, das bis heute in vielen anderen Filmen zitiert wurde und wird. Ungefähr in der Mitte des Films ändert sich der Schwerpunkt der Inszenierung, der Film changiert ins Märchenhafte und erinnert in vielem an Alice im Wunderland, ohne allerdings Grusel-Atmosphäre einzubüßen. Als die Kinder im Boot den Ohio runtertreiben, wird dies vom Ufer aus gefilmt. Die Kameraeinstellung zeigt die Kinder im Boot klein im Hintergrund, im Vordergrund sehen wir ein riesiges Spinnennetz, später eine Kröte und dann zwei Hasen. Die Kinder erscheinen optisch geschrumpft und verloren in einer ihnen unbekannten Welt. Kameramann Stanley Cortez hat den Film in wunderbaren SW-Bildern aufgenommen, die an den deutschen expressionistischen Film und die ersten Frankensteinfilme der Universal Studios aus den 30er-Jahen erinnern. Schon in diesem Film deutet sich die (vorläufige) Ablösung der übernatürlichen Monster der 30er-Jahre an. Der Mensch ist nun das Monster. Eine Entwicklung im Horrorfilm, die mit Filmen wie „Psycho“, „Peeping Tom“, „Texas Chainsaw Massacre“ etc. evident wurde. Die Inszenierung der brennende Fackeln tragenden Dorfbewohner gegen Ende des Film, die den überführten Wanderprediger lynchen wollen, erinnert stark an ähnliche Aufnahmen aus „Frankenstein“ (1931) und anderen Gruselfilmen. Beeindruckend sind die Sequenzen, in denen der Wanderprediger, teilweise singend, um die Häuser seiner Opfer streift. Wie ein Filmzitat wirkt die Szene in „Poltergeist 2“, als sich der dämonische alte Mann, Reverend Kane, dem Haus nähert, in dem sich die kleine Carol Anne befindet. „Die Nacht des Jägers“ muss man einfach gesehen haben. Für viele zählt er zu den besten Filmen aller Zeiten. Die einzige Regiearbeit von Charles Laughton. Eben einzigartig.

Bilder, die im Gedächtnis bleiben: Spiel und Mimik von Robert Mitchum // der Wanderprediger reitet am Horizont, nur als Silhouette erkennbar // der Wanderprediger streift um die Häuser seiner Opfer // der Wanderprediger sitzt im Vorgarten und singt, während die alte Frau mit Gewehr in der Hand im Haus sitzt und irgendwann in den Gesang des Wanderpredigers einstimmt // die Bootsfahrt der beiden Kinder mit den übergroßen Tieren im Vordergrund // die getötete und im Fluss versenkte Mutter der beiden Kinder, die so fotografiert wurde, dass sie an eine Meerjungfrau erinnert

Bewertung: (10/10)

Mittwoch, 24. April 2013

Midnight Son


 

Midnight Son (USA 2011, Regie: Scott Leberecht)

Handlung: Jacob ist Nachtwächter, und das ist auch gut so. Denn er hat eine starke Sonnenallergie, die es ihm unmöglich macht, sich tagsüber draußen aufzuhalten, ohne dass seine Haut Schaden nimmt. Eines Tages entwickelt er ein starkes Verlangen nach Blut, und langsam wird klar, dem Zuschauer eher als dem Protagonisten, dass es sich um eine Art „Coming-Out“ eines Vampirs handelt. Noch nichts von seinem Zustand ahnend, verliebt er sich in Mary, während in der Stadt immer mehr blutleere Mordopfer gefunden werden. Er nimmt Kontakt zu einem Kleinkriminellen auf, der als Pfleger in einem Krankenhaus arbeitet und Jacob mit Blutkonserven versorgt. In Visionen kommen Jacob Bilder der Mordopfer in den Sinn, und er ahnt, dass er der Mörder sein könnte, ohne sich jedoch genau zu erinnern...

Kritik: Man fühlt sich unweigerlich an „Martin“ von George Romero erinnert. Doch während der Vater der Zombiefilme den Zuschauer bis zum Schluss darüber im Unklaren lässt, ob es sich bei Martin wirklich um einen Vampir gehandelt hat, bleiben in „Midnight Son“ nach etwa einem Drittel des Films keine Fragen mehr offen. Der Film von Leberecht erzählt die Geschichte des Blutsaugers nicht aus der Perspektive der Opfer, sondern aus der des Vampirs. Er lässt den Charakteren Jacob und Mary Zeit, sich zu entwickeln. Sie wirken daher mit all ihren Unsicherheiten, Süchten und Beziehungsproblemen glaubhaft und sympathisch. Es ist auch eine Liebesgeschichte, die aber nicht schnulzig wie in „Twilight“ daherkommt, sondern schmutzig und blutig. Nicht nur wegen der guten Hauptdarsteller ein empfehlenswerter Film.

Bilder, die im Gedächtnis bleiben: die angekettete, skelettierte und verkohlte Leiche eines Vampirs // die Vampiraugen Jacobs // die Einstellung, in der Jacob und Mary mit blutverschmierten Gesichtern nebeneinandersitzen und sich in die Augen schauen

Bewertung: (6,5/10)

Bestie des Grauens




Bestie des Grauens (Originaltitel: Missile to the Moon, USA 1958, SW,
Regie: Richard E. Cunha)

Handlung: Ein Wissenschaftler hat eine Mondrakete entwickelt. Als die amerikanische Regierung ihm diese wegnehmen will, entschließt er sich kurzerhand, den Flug zum Erdtrabanten zu wagen. Mit an Bord sind sein Freund und dessen Verlobte sowie zwei Kleinkriminelle. Auf dem Mond angekommen, erwarten die Erdlinge Steinwesen, ein Dunkelwesen (riesige Mörderspinne) und eine Gesellschaft von weiblichen Wesen. Die Menschen geraten bald in einen Machtkampf zwischen der Königin der Mondfrauen und einer ehrgeizigen Untergebenen. Außerdem geht dem Mond langsam die Puste aus, da nur noch unterirdisch in einer Art Höhlensystem Sauerstoff vorhanden ist. Doch die Plätze im Raumschiff sind begrenzt...  

Kritik: Der Film hat den typischen Charme eines amerikanischen B-Movies aus den 50er-Jahren. Er nimmt sich selbst ernst, obwohl er an vielen Stellen unfreiwillig komisch ist. Steinwesen, die sich noch langsamer und ungeschickter bewegen als die dümmsten Romero-Zombies, eine Mörderspinne, von den Mondfrauen „Dunkelwesen“ genannt, mit großen Augen und eher an die Augsburger Puppenkiste erinnernd als an „Tarantula“, und eine Geschichte, bei der man besser nicht nach Logik fragen sollte. Wenn man keine schlaflosen Nächte erwartet und keine Aversion gegen Trashfilme hat, dann wird man bei diesem Film durchaus gut unterhalten. Ich zumindest fand ihn nicht langweilig.  

Bilder, die im Gedächtnis bleiben: die Steinwesen // die Mörderspinne // die Mondfrauen, die zum Teil von internationalen Schönheitsköniginnen dargestellt werden und die immer mal wieder leicht bekleidet durchs Bild laufen

Bewertung: (4/10)

Sonntag, 21. April 2013

In den Klauen der Tiefe



 

In den Klauen der Tiefe (Originaltitel: The Mole People, USA 1956, SW, Regie: Virgil Vogel). 

Kritik: Eine Gruppe von Archäologen entdeckt im Inneren der Erde eine seit 5000 Jahren isoliert lebende Zivilisation, die von den Sumerern abstammt. Diese „Sumerer“ halten sich furchterregende Maulwurfmenschen als Arbeitssklaven. Da dort unten weder Sonnenlicht noch Elektrizität bekannt sind, werden die Forscher, die eine Taschenlampe mit sich führen, kurzzeitig für Götter gehalten. Der Hohepriester Elinu sieht nun seine Macht schwinden und erwirkt bald, dass die Fremden gefangen genommen und zum Tode verurteilt werden. Und dann wagen auch noch die Maulwurfmenschen einen Aufstand.

Dieser Film, der bisher nicht in Deutschland zu sehen war, macht Spaß. Wie bei vielen alten Filmen hält sich der Gruselfaktor für den heutigen Betrachter allerdings in Grenzen. Aber die unterirdische Zivilisation, die Nachkommen der Sumerer und die buckligen Maulwurfmenschen sind durchaus fantastisch in Szene gesetzt worden. Es ist den Machern gelungen, mit niedrigem Budget eine beeindruckende unterirdische Welt zu erschaffen, deren Geschichte, soziale Konflikte und religiöses Weltbild zudem recht glaubwürdig dargestellt werden. Die Kostüme sind gelungen und die Story wird spannend erzählt. Das Ende kommt, wie bei vielen B-Pictures, dann recht schnell daher und wirkt etwas konstruiert. Wer sich generell für billig gemachte phantastische Filme aus den 50er- und 60er-Jahren interessiert, der sollte sich auch diesen Trash-Klassiker nicht entgehen lassen. Für Sammler ist er sowieso ein Muss.

Bilder, die im Gedächtnis bleiben: verkohlte Leichen werden weggetragen (die Opfer wurden in einer Art Sonnen-Ofen exekutiert)  // das Aussehen der Maulwurfmenschen

Bewertung: (7/10)