Donnerstag, 17. Oktober 2013

Extinction - The G.M.O. Chronicles





Extinction – The G.M.O. Chronicles (Deutschland 2011, Regie: Niki Drozdowski)

Kritik: Ein Jahr vor der Atomkatastrophe in Fukushima explodieren in diesem Zombiefilm in Europa die Atomkraftwerke und nötigen den Protagonisten den Plan auf, über Gibraltar nach Afrika zu fliehen, um der Strahlenkrankheit zu entkommen. Und zwei Jahre vor dem NSA-Skandal telefoniert ein in Deutschland tätiger NSA-Agent regelmäßig mit seinen Vorgesetzten. Er weiß mehr über die Ursachen der Zombie-Apokalypse, doch nicht einmal seiner Tochter hat er davon erzählt. Man kann Niki Drozdowski, dem Produzenten, Regisseur und Autor von „Extinction – The G.M.O. Chronicles“ in diesen beiden Punkten ein nahezu prophetisches Gespür in der Themensetzung bescheinigen. Ein außer Kontrolle geratenes Virus eines Biotechunternehmens ist die Ursache dafür, dass sich die meisten Menschen in Zombies verwandeln (na hoffentlich hat Drozdowski hier nicht noch eine weitere Vorahnung verarbeitet).

„Extinction“ erzählt die Geschichte einer Handvoll Überlebender, die offensichtlich immun sind. Sie besorgen sich Nahrung und Waffen und verstecken sich in einem riesigen umzäunten Areal, einem ehemaligen amerikanischen Militärgelände. Hier wähnen sie sich zunächst in Sicherheit vor den schnellen und langsamen Zombies, die nur tagsüber aktiv sind und nachts in eine Art Starre verfallen. Doch einige Zombies entwickeln sich ständig weiter. Irgendwann werden sie auch nachts zur Bedrohung, und selbst hohe Zäune stellen für sie kein Hindernis mehr dar. Die Gruppe muss ihr sicher geglaubtes Versteck verlassen.

„Extinction“ ist ein deutscher Zombiefilm, der in und um Köln gedreht wurde. Jeder Versuch, in Deutschland dem Genrekino zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen, ist grundsätzlich lobenswert. Und es gelingt dem Film sehr gut, eine bedrohliche, apokalyptische Atmosphäre zu schaffen. Die Bilder von Zombies, die durch erkennbar deutsche Straßen und Vororte laufen, sind gelungen, prägen sich ein und gehen einem nahe, weil einem alles so bekannt vorkommt. Das Bild des Atomkraftwerks, aus dem Rauch aufsteigt, hinterlässt ebenfalls bleibenden Eindruck genauso wie der Panoramablick auf das endzeitliche Köln (siehe Foto).




Die entsättigten Farben und die teils monochrome Farbgebung unterstützen den düsteren Eindruck der Szenerie. Die Stärke des Films liegt besonders im visuellen Bereich. Daher ist es wirklich, wirklich schade, dass „Extinction“ in anderen Bereichen so stark abfällt. Die Figuren bleiben erschreckend eindimensional und klischeehaft (der Scharfschütze aus dem Kosovo, der Bundeswehrsoldat, der nicht zielen kann, die Tochter des Agenten, der Kriminelle, der Eifersüchtige, der durchgeknallte Priester etc.), die Dialoge sind mittelmäßig bis schwach und die Nachsynchronisation hört sich grausam an - was die Aufmerksamkeit noch mal besonders auf das gesprochene Wort lenkt. Der Film wurde in Englisch gedreht und offensichtlich im Studio deutsch nachsynchronisiert. Das ist übel, gerade vor dem Hintergrund, dass man den Mut hatte, einen deutschen Zombiefilm in deutschen Städten mit deutschen Schauspielern zu drehen.

„Extinction“ hat im Mittelteil einige Längen und bei manchen Actionszenen fehlte es offensichtlich an Genauigkeit. Wenn zum Beispiel deutlich hörbar nur ein Schuss fällt, aber zwei Zombies gleichzeitig ungeschickt hinfallen, dann mutet das doch sehr merkwürdig an. Und wie leicht die Zombies mit Eisenketten gesicherte Tore eintreten (was ist da eigentlich mit den Ketten geschehen?), gibt auch zu denken. Dass erwachsene Menschen wie Cowboy spielende Kinder meinen, einen „Anführer“ wählen zu müssen, stößt auf und reißt einen irgendwie aus der Geschichte. Der Höhepunkt ist der Kriminelle, der 16 Tage in einer Zelle gesessen hat und sich ausschließlich von Toilettenwasser und Klopapier ernährt haben will. Sein Verhalten spiegelt in keinster Weise wider, was er durchgemacht haben muss. Er benimmt sich völlig ruhig, so als ob man ihn nur mal ein, zwei Stunden zu lange beim Arzt hat warten lassen. Der Film hinterlässt insgesamt einen zwiespältigen Eindruck. Der Satz „Da wäre mehr möglich gewesen!“ drängt sich unweigerlich auf. Einerseits visuell starke, realistisch wirkende Szenen einer Apokalypse in Deutschland, andererseits allenfalls nur durchschnittlich agierende Darsteller, schwache Dialoge, schlechtes Drehbuch sowie handwerkliche Fragezeichen. Das größte Fragezeichen bleibt aber ein Zitat aus der „Kölnischen Rundschau“, mit dem auf dem Cover geworben wird: „Szenarien wie bei ,Herr der Ringe‘.“ Na wenn das mal keine falschen Erwartungen weckt. Obwohl, Pfeil und Bogen, Wald, eine Burg und „Gefährten“ bieten beide Filme. Na dann...

Bilder, die im Gedächtnis bleiben: kreischende Zombiefrau ohne Augen // rauchendes Atomkraftwerk // Zombies klettern eine Burg hinauf und werfen Schatten an die Wand // das Panorama des endzeitlichen Köln

Bewertung: (5,5/10)

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Dark Beach - Insel des Grauens



  

Dark Beach - Insel des Grauens (OT: Uninhabited, Australien 2010, Regie: Bill Bennett)

Kritik: Harry (Henry James) und Beth (Geraldine Hakewill) lassen sich mit einem Boot auf eine abgelegene Insel im Great Barrier Reef bringen. Dort wollen sie in aller Abgeschiedenheit einen zehntägigen Liebesurlaub verbringen. Zur Sicherheit haben sie zwar ein Satellitentelefon dabei, doch wenn sie nichts von sich hören lassen, kommt das Boot erst wieder nach eben diesen zehn Tagen vorbei, um sie abzuholen. Für den gemeinen Westeuropäer ist das kein idyllischer Ort und keine ideale Voraussetzung für einen entspannten Campingurlaub, trotz Sonne, Strand und Meer. Doch der Meeresbiologin macht es nichts aus, zwischen kleinen Haien, Seeschlangen, Stachelrochen und giftigen Steinfischen herumzuplantschen, und auch ihr Freund sagt überzeugt: „Ich habe vor gar nichts Angst!“ Diese Worte sollte man in einem Horrorfilm niemals aussprechen ebenso wenig wie den Satz: „Ich komme gleich wieder.“

So dauert es auch nicht lange, bis den zwei scheinbar angstbefreiten Protagonisten etwas mulmig wird. Fremde Fußspuren im Sand deuten darauf hin, dass sie nicht alleine sind. Zunächst denken sie an einen Streich irgendwelcher Kids, doch nachdem sie die Insel abgesucht haben, müssen sie feststellen, dass sich dort niemand anderes aufhält. Eines Morgens entdecken sie Aufnahmen auf ihrer Videokamera, die sie nicht gemacht haben. Ein Fremder hat Beth und Harry gefilmt, während sie schliefen. Aufgeschlitzte und auf Spieße drapierte Seegurken und der Fund einer Hütte im Inselwäldchen samt Grabstätte geben ihnen den Rest, Panik zieht auf. Doch es ist zu spät, sie befinden sich bereits im Sog von Ereignissen, die sie nicht mehr kontrollieren können.

Der stilsicheren Regie von Bill Bennett gelingt es wunderbar, vor allem in der ersten Hälfte des Films, eine Atmosphäre der Bedrohung zu schaffen, und das ganz ohne Blutvergießen. Ein 360-Grad-Kameraschwenk, der mich an den aus „Tanz der Teufel 2“ erinnert hat, macht gleich am Anfang klar, wo wir uns befinden: an einem Ort, von dem es kein Entrinnen gibt. Die Abgeschiedenheit des Ortes ist ein klassisches Rezept im Horrorfilm. Dabei ist es egal, ob es sich um eine Hütte im Wald handelt, die von einem Meer von Bäumen umgeben ist, oder um eine einsame Insel mit Bäumen, die von Meer umgeben ist, wie in „Dark Beach“ (siehe Screenshot).




Das zweite klassische Problem, das jeder Horrorfilmregisseur heute zu lösen hat, ist das der (nicht möglichen) Kommunikation. Im Backwood-Horror ist es gerne das oft bemühte Funkloch, in „Dark Beach“ verschwindet, Überraschung, das Satellitentelefon auf spukhafte Weise...

Über eineinhalb Minuten dauert der erwähnte 360-Grad-Kameraschwenk, der im Grunde nichts anderes zeigt als Weite, Meer, Sand und Bäume. Und doch strahlt diese Plansequenz eine Bedrohlichkeit aus, die in bester australischer Manier an ähnlich düster-stimmungsvolle Natur-Aufnahmen aus „Picknick am Valentinstag“ (1975) und „Long Weekend“ (1978, Remake: 2008) erinnert. Was die Inszenierung betrifft, hat „Dark Beach“ in der Tat große Ähnlichkeit mit diesen Filmen. Es ist ein leiser, feiner Gruselfilm, der mit Geräuschen, guter Kameraarbeit und einer unheimlich dichten Atmosphäre subtilen Schauer erzeugt. Die Schauspielerleistungen sind eher durchschnittlich, und das Drehbuch hätte seinen zwei Hauptdarstellern an manchen Stellen besser etwas weniger einfältiges Verhalten vorschreiben sollen. Im letzten Teil von „Dark Beach“, als sich zunehmend klärt, wer oder was hinter dem Spuk steckt, fällt der Film meiner Meinung nach zwar etwas ab, aber den insgesamt guten Gesamteindruck kann das nicht trüben. Und das Ende von „Dark Beach“, an dem eines der oben genannten unsympathischen Viecher eine Hauptrolle spielt, ist zusammen mit den letzten Einstellungen wiederum sehr gelungen.

Negative Bewertungen des Films hängen vor allem mit einer falschen Erwartungshaltung zusammen. Es ist ein ruhiger Gruselfilm, der von der Atmosphäre lebt und von der Identifikation mit den Hauptdarstellern, in deren zunehmend ausweglose Situation man sich gut hineinversetzen kann. „Dark Beach“ nimmt nur in wenigen Momenten etwas an Fahrt auf, zum Beispiel als Fischer, die illegal Haie schießen, auf die Insel kommen und Harry und Beth zusätzlich das Leben schwer machen. Mir hat der Film gut gefallen, doch wem „Picknick am Valentinstag“ und „Long Weekend“ zu unspektakulär waren, der sollte auch von „Dark Beach“ besser Abstand nehmen.

Bilder, die im Gedächtnis bleiben: 360-Grad-Kameraschwenk // aufgeschlitzte Seegurken

Bewertung: (7/10)